"Ursulinenschulen Werl
Realschule · Gymnasium"

Auf der Suche nach dem, was christlich ist bzw.was das spezifisch Christliche ausmacht, ist uns deutlich geworden, dass wir nicht von einem eindeutigen christlichen Menschenbild mit einem fest umrissenen Wertekodex ausgehen können. Ausgangspunkt unserer Überlegungen bildet daher ein offenes, unfertiges Menschenbild.

Christlich an unserer Schule ist demnach nicht ein in sich geschlossenes christliches Bildungssystem oder eine spezifisch christliche Moral, sondern unsere Bereitschaft und Absicht, die Botschaft Jesu als Orientierung und kritisches Korrektiv unseres Handelns zu akzeptieren bzw. in Anspruch zu nehmen. Darin sehen wir die Grundlage für ein gelingendes Leben.

Erstrebenswert ist somit ein durch den Glauben motiviertes ständiges Bemühen um eine Atmosphäre gegenseitiger Akzeptanz und Wertschätzung zwischen allen am Schulleben Beteiligten. Dabei entstehen Situationen, in denen in einer offenen Auseinandersetzung mehrere Lösungsmöglichkeiten als christlich verantwortbar gelten können.

In der Überzeugung, dass der Glaube dem eigenen Leben Sinn und Halt gibt, in dem Engagement für andere sowie in der fachlich-pädagogischen Qualität besteht vor allem das Profil unserer Schule. Lehrerinnen und Lehrer befinden sich auf dem Weg dorthin, wenn sie sich authentisch und in ihren Einstellungen transparent in das Unterrichts-geschehen und Schulleben einbringen. Das gilt in entsprechender Weise ebenfalls für Schülerinnen und Schüler.

Die gesamte Schulgemeinde fördert und ermöglicht somit Solidarität untereinander und über die Schule hinaus sowie Motivationen zum Glauben. Sie zielt eine Kultur gegenseitiger Achtung an. Diese Werte beruhen auf der Gottesebenbildlichkeit des Menschen ("Gott schuf den Menschen als sein Abbild"), die ihn motiviert, "den Nächsten zu lieben wie sich selbst". Vermittelt werden die Werte dadurch, dass sie auch von den Eltern und Lehrern vorgelebt und in konkretes Verhalten umgesetzt werden.

Eine christliche Schule, die sich auch als organisierte Hilfe für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen versteht, weil sie ihren Auftrag, ihre Kraft und ihr Vertrauen aus der Botschaft Jesu gewinnt, kann sich nicht auf den gesellschaftlichen Nutzen reduzieren lassen. Im konkreten Unterrichtsgeschehen verstehen wir Wissensvermittlung stets wertorientiert. So kommen in jeder Wissensvermittlung zuvor getroffene Wertentscheidungen zum Ausdruck. Werte sind im Wesentlichen Gründe, die zum Handeln bewegen. Es kommt für uns darauf an, dass sie nicht vorgeschrieben oder verordnet, sondern selbst erfahren werden.

Diese Erfahrung kann gelingen, wenn wir im Vertrauen auf Gottes liebende Zuwendung andere Menschen und auch uns selber annehmen und ein Gefühl des Wertes der anderen und der eigenen Person entwickeln. Wenn wir die Verständigung um die Priorität von Werten als einen nie abgeschlossenen Prozess begreifen, in dem jedem Veränderung und Weiterentwicklung zugestanden werden, können wir dem oben angesprochenen offenen Menschen-bild gerecht werden. Es bildet die Grundlage für das pädagogische Handeln am Ursulinengymnasium und sein Schul-programm, das ebenfalls auf Fortentwicklung angewiesen ist.

Werl, den 29.10.2001
Die Lehrerkonferenz des Ursulinengymnasiums - Arbeitsgruppe "Christliche Schule und Wertevermittlung"

(Realschule) 02922 5658

(Gymnasium) 02922 5017

Schlossstr. 3-5 

59457 Werl